Skip to content →

MAIK ANTRACK Posts

Berlinton blog // Dear Reader spielten am 25.02.2017 im Lido

Flatternde Stoffüberhänge? Kreppbänder? Gebasteltes aus der Stube? In schwarz und mit papiernem stofflichen Kreativwerk auf den Schultern stehen Dear Reader auf der Bühne und beginnen ihr Konzert. Die Geschwindigkeit, mit der diese Buchstaben auf das weiße Strompapier fallen, ist langsam. Nicht soll der Eindruck durch Tippgeschwindigkeit entkräftet werden. Das Konzert beginnt und sie spielen ihr neues Album. Mehr Ruhe der Information braucht es nicht. Kein großes Tamtam ereilt den Saal, Cherry Macneil sagt vorher bescheid worum es gehen wird. Record Release, yay!

Start. Sängerin – E – Piano oder Gitarre, dazu elektrisches Cello samt Edelspielzeugkasten auf dem Fußboden für Illusion – schaffende Klangeffekte. Noch ein Keyboard. Noch eins. Schlagzeug mit Küchenhandtüchern, Klirrmacher und Sand in Kapseln, zum Schütteln. Fünf Mikrofone. Loops, Samples. Die Szene bewachend überschaut ein Chor die Quartettband. Rot dämpft der Bühnenvorhang, rot strahlt das Licht. Es passt die Musiker zum Cover des neuen Albums an. Behutsam gehen die ersten Töne in den Saal. Die Band spielt sich ein und bietet gleich eine Textur an, die das weitere Konzert bestimmen wird. Jede Stimme hat ihren Platz im Raum der Songs. Der Kreis ist groß, weit. Hier hat jedes Instrument viel persönlichen musikalischen Freiraum und stört die anderen Kolleginnen nicht. Sie treffen sich, sagen Hi! und gehen wieder, zurück an ihren Platz des Songs.

Elegante Melodien und Harmonievariationen schmeicheln jenen Ohren, die etwas mehr als Tonika & Konsorten ausfindig machen können. Und vor jedem herzerwärmenden Einzählen, irgendwo vor der „3“ von den (meistens) „1-2-3-4“, gibt es diesen Moment, in dem Cherry Macneil das Lido verlässt und aus der organischen Welt ihres Songs dessen Botschaft transportiert. Von Stück zu Stück subtil verändert beweist, bewahrt, trägt sie ihre Charaktere sorgsam über die Bühne.

Das wird von Band und Chor mal poppig – griffig, mal zerrupft – stückig begleitet. Aber immer ist es ein Fest, die klugen Arrangements, manchmal nur angedeutet verwobene Harmonien und sauber eingepassten Chorsätze zu genießen. Hier arbeitete jemand mit Handwerk und Treffsicherheit an einem Livegig, der die Gäste mit viel Musikalität und dankbar wenig Show begeisterte. Dear Reader haben erst gar nicht angefangen, eine Haltung neben dem Spielen der Songs zu schauspielern, es ging nur um die Musik. Klasse.
Zwei Stücke stachen heraus. Keine Namen, unbekannt, kurz und präzise saugten sie die Gäste in einen schwebenden Klangraum, der so schnell ging wie er kam. Effektreich und genau dosiert – wann was wohin muss – so blieb man gerne ohne Atem.

Ein kurzes Stück im Set begeistert durch seine im Vergleich zu den ätherischen und unique klingenden anderen Songs durch seine Natürlichkeit. Da singen alle gut 14 Frauen auf der Bühne. Keine Instrumente, kein weiterer Sound. Mensch, Ausdruck, Ziel. Die Zugabesongs – allesamt von früheren Alben – sind deutlich gerader, süßer, poppiger. Bei der „ZugabeZugabe“ windet sich die Sängerin am Anfang charmant um die Akkorde von „Dancing in the Dark“ – um es dann wirklich wirklich glänzen zu lassen.

Comments closed

Songrelease

Heyho,

für den Kurzfilm „Pampa“ von Martje Schreier und Elias Fritz habe ich einen Song geschrieben:

Jede Menge Reiseblut fließt durch seine Adern, Weg-Wollen und Indie Sound. Viel Spaß beim Hören.

Comments closed