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Reise Rot

Adelaide liegt mehrere Tage zurück, Sonntagabend war geprägt von kalter Luft unter den Strahlsternen in den Flinders Ranges. Die alte Gebirgsformation 450 Kilometer nördlich war das nächste Ziel. Schluchten, Gipfel und jede Menge würzig duftende Eukalyptusbäume später liegen Karten und Kalender auf dem Tisch, zeigen Entfernungen, Daten und vor Allem: ‚Ne Menge gar nichts!

Denn es beginnt: Die Reise Rot. Nach dem Cullulleraine Festival war Adelaide und die deutsch-beeinflusste Gegend der Prolog für die nächste große Erkundung. Die Flinders liegen selbst schon im Outback, malen sich rot, ocker oder auch orange in den Sonnenlichtern des Tages. Doch das große ‚Gar Nichts!‘ kommt jetzt.

Die Stationen der Reise Rot:

1. – Der Highway in die Wüste

2. – Das rote Herz

3. – Eine von Dreien führt nach Osten

4. – Schon lange Bekannte

5. – Südwärts zu Freunden

Danach sind ungefähr 7000 Kilometer mehr auf dem Tacho, ‚ne Schippe roter Sand im Van und: Es wird Mitte, Ende Mai sein.

Mitten zwischen Aufholjagd und up-to-date:

Kapitel 1 – Highway in die Wüste!

Der Tastaturanschlag hallt zwischen Sandstein und Beton. Draußen pfeift ein kalter Wind über die gigantischen Ebenen des südaustralischen Outbacks. Die Wände umgeben einen in beige, krem und rotbraun. Coober Pedy ist einer der seltenen Orte, an denen die Menschen teilweise in Höhlen leben. Keine Bäume für Holz, 14 cm Niederschlag pro Jahr und 50° im Sommer – die Menschen hacken Löcher in den Fels und machen es sich gemütlich. Immer zwischen 20 und 24° lebt es sich im Winter wie Sommer gemütlich. Der Fels hält alle Naturgewalt auf und wer weiß – vielleicht findet man beim Vergrößern des Schlafzimmers mal eben einen Opal im Wert von 100000 Dollar?

Denn seit ziemlich genau 100 Jahren wird der Großteil des weltweiten Opalprodukts aus den Ebenen um Coober Pedy geholt. Dreißig Meter tiefe Löcher graben Maschinen in den Boden. Einmal angekommen, fräsen Tunnelbohrer Gänge ins Gestein. Falls dann ein hellhöriger Minenarbeiter ein besonderes Geräusch während des Grabens hört, könnte die Maschine ein Opalvorkommen zum Vorschein gebracht haben. Dort – zwischen den 120 Millionen Jahre alten Gesteinsschichten wollen die Leute ihr Glück finden. Seit 100 Jahren, und es klappt. Wie Silizium, Wasser, Druck – und vor Allem: Zeit – sich zu einem so ansehnlichen Naturprodukt verbinden konnten, das besticht.

Der Weg nach Norden führte durch Port Augusta und seine treffend beschriebene ‚Crossroads of Australia‘. Von Sydney nach Perth durchquert man Port Augusta. Von Adelaide nach Darwin – Port Augusta. Kurz nach dem Ortsende – Scrub, Outback, wildes, ewiges Land. Wildes, urzeitliches Land. Die Weite und Fläche des Nichts ist sich selbst nicht genug, es geht immer noch mehr. Noch mehr Nichts und wäre es vielleicht an der Zeit, nach diesem Hügel eine Stadt oder eine andere Gegend zu zeigen, liebes Australien? Ach, wie kommt man nur auf diese Frage?

Als Europäer ist das endlose Nichts schwer zu fassen. Alle Gegenden, Autobahnen, aufgebautes Leben in den kulturdurchtränkten Wänden historisch gewachsener Großstädte – Das Outback ist eine gähnende, stundenlange Entspannung. Eine Ruhe gegen das Flimmern der modernen Welt. Ein Vakuum gegen die Übersättigung von Eindrücken. Wobei es selbst beeindruckt. Das geht immer so weiter, es hört nicht auf. „Du kannst die Erdkrümmung sehen, wenn du im flachen Outback bist.“ Sagt ein Freund. Und soweit das Auge reicht, nur Sand, Stein, Bush, Gumtrees – je nachdem, wo man sich gerade befindet.

Teilweise führen Straßen vom Highway ab. Rote Pisten hinein und weg hinter den Sanden. Kleine Schilder nennen dann Ortsnamen mit Kilometerentfernungen. Wäre der Van ein Allradfahrzeug, wäre das eine Erkundung wert. So aber fühlt sich der Gedanke über das Verlassen des Highways wie ein fataler Plan an.

Weiter auf der Straße.

Veröffentlicht in Australiyear