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5 – Südwärts zu Freunden

Es war eigentlich wieder nur der Highway. Aber der war bekannt. In Townsville verband sich Neues mit Altem. 2010 schon einmal die Straße von Brisbane nach Cairns hinaufgefahren, schneidet der Westhighway jetzt die Erinnerung gerade dort im Norden wieder aus der Zeit heraus. Wieder zurück in der Wärme, in der feuchten Hitze, am Wasser. Dort ist Magnetic Island und hier die seltsame Reminiszenz. Das Geld im Tourismus will nicht schlafen, es soll hier behalten werden. Demzufolge ist zumindest in der Stadt, wie später eigentlich auch an der Küste, viel passiert, um die geneigten Reisenden zum finanziellen Aderlass zu bewegen. Und gerade die Regenzeit verlassen, bildete Townsville den Eingang zum Ausgang der Reise Rot. Von jetzt an würde es nach Süden gehen, von jetzt an würde ich Bekanntes wiedersehen.

So waren die Etappen: Townsville // Whitsunday Coast // Mackay – Gladstone Rollerei // Capricorn Coast // Fraser Coast // Sunshine Coast samt einschlägiger Sehenswürdigkeiten und ohne diesmaligem Erwähnen.

Wieder aber waren es die spärlichen Straßen, die Verwunderung schenken. Vieles Alltägliche in diesem Land ist selten, wenig vorhanden. Eine Straße wird zur Hauptader, eine Stadt zur Oase, eine Tankstelle zum Unbedingt-Stopp. Denn man hat wenig Wahl. Du möchtest dorthin? – Dann fährst du auf diese eine Straße – denn oft gibt es gar keine Wahl. Ein weit verzweigtes Netz von Wegen ist hier nicht vorhanden. Seltene Verfügbarkeiten bekommen dann – ganz ohne den durch Provinzmuff aufgeblasenen Falschwert – hohe Priorität. Will heißen: Der Bruce Highway ist nach viereinhalb Jahren noch immer so wichtig wie eh und jeh. Wie viele Backpackervans, Limousinen und Roadtrains sind darüber gebrettert? Wäre es eine beliebige Straße, austauschbar durch Nachbarwege, dann wären drei Sätze dazu schon übertrieben. Aber die Exklusivität, die durch das „Nur-einmal-vorhanden“ Prinzip entsteht, sie macht den Reiz.

Tagestemperatur. Vielleicht ist es 1° Celsius pro 100 Kilometer. So fühlt sich der Temperaturabfall auf dem Weg nach Süden an. Aus den subtropischen Wärmen hinein in den australischen Spätherbst. Mitte Mai wirbelt es im Herbst zu sein den durch Jahreszeiten geprägten Europäer wohltuend durcheinander, es inspiriert und ehe er sich versieht, sinniert er wohlgetan mit den Aussies über das Wetter. Das ist weder launisch noch nasskalt, es wärmt am Tag und fordert Decken in der Nacht. Einige Häuser in Australien haben von Heizung und Wärmedämmung noch nichts bekommen, die Leute schalten für eine Weile den mobilen Gasheizer an. Das Haus kühlt während der Nacht komplett aus, vielleicht hinab bis auf 11°. Die Notwendigkeit, viele Decken in Schichten übereinander packen zu müssen, erinnert dann gern an die nächtliche Feindlichkeit von „Wuthering Heights“. Der Morgen geht dann umso leichter, da die Kühle den Kreislauf ohne Nachbitten ordentlich auf Trab bringt. Gut so.

Nach tausenden Kilometern Nichts setzt sich auch das Bewusstsein langsam wieder in der Zivilisation ab, ein paar Stunden nördlich von Sydney schließt sich unaufhörlich der großzügige Kreis.

Eine Reise – allgemein betrachtet ist sie deswegen schwer schätzbar wertvoll, weil sie das Eingefahrene, das Wiederkehrende und das Leben schläfrig- Machende abschmelzen lässt, bevor es zu ewigem Eis wird. Weil sie inbrünstig verteidigte Meinungsfestungen mit einem Fingerschnipp in einen anderen Teil der Perspektive verschiebt, deren Verteidigungswälle auf leerem Feld ganz deplatziert, umsonst gebaut, aussehen lässt. Nach einigen ‚Umstellungen‘ gar die Handhabe, Wälle zu errichten, auflöst. Bedankt!

Reise Rot – Ende

Veröffentlicht in Australiyear