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Insel

Von heute nach gestern ist morgen wieder Vergangenheit. Zu schnell. Seit einigen Tagen bin ich im Pazifik unterwegs. Wie weit weg auch die kleinen Punkte im Meer aussehen mögen – hier zu   sein ist die fast größte Aufgabe, die man meistern kann. Der Flieger schnurrte über die Datumsgrenze, heute ist plötzlich gestern, Europa ist einen Tag voraus, wo in Australien eigentlich noch +8 Stunden MESZ angesagt war.

Und hier? Alle himmlischen Luftfotos, alle Träume der Südsee, schlichtweg jede Erfindung, einen Traum hier im Südpazifik zu verkaufen – sie stimmen. Die farbgesättigten Fotos für den Reisekatalog?  Ist tatsächlich so. Das Palmen-Sand-Wind-Wasser- Gefühl am anderen Ende der Welt? Passt genau. Lagunen minzbonbonblau? Oh Lá Lá! Aber ob’s so ist, wie es einem beworben wird, ist gar nicht so wichtig. Auf diesem kleinen Eiland atmet das Leben im Rhythmus der Wellen, alles ist langsamer, weniger, durchsichtig wie das Glaswasser. Die Menschen rollern auf Mopeds mit 40 km/h über die immergrüne Insel, zirkeln im Kreis entlang der Küste barfuß mit Einkaufstüten ihren Tag ab. Das Feierabendbier wird an einem Weststrand zum Sonnenuntergang getrunken, das rot – orange Panorama über dem Widescreen- Meer könnte nicht besser gemalt sein. Man sitzt am Strand und muss sich zu einer Einsicht überreden: Für die Insulaner ist das hier kein Reiseziel, es ist das Leben. Ein einfaches und reiches Leben, das weniger mit Geld zu tun hat. Die tausende Kilometer Ozean rings um einen herum, das Gefühl auf einer Insel zu sein, das hat etwas mit Idylle, Überschaubarkeit und Barrieren zu tun. Und mit: Unerreichbarkeit. Man kennt sich, die Ruhe, Einsamkeit und das Community – Gefühl eines Dorfes mit nix weiter rundherum außer dem Meer – es fällt schwer, das nicht als eine Leinwand zu sehen, die irgendwann „Ende“ zeigt. Abgelegen, weit weg von Allem, was bewegt und was sich bewegt – das ist hier. Das Meer als Barriere erhellt auch den Blick in einen spannenden Gedanken: Vieles, was aufregen kann, vieles, was Energie raubt und Aufmerksamkeit will, die Reizüberflutung im Westen – Alles menschengemacht und der mögliche Stress nach der Überlastung davon ebenso. Hier? Es spielt keine Rolle, es gibt keinen Imperativ, der sagt: Mach’!! Die Menschen hier leben wie auf einem Stern im Universum, mit ein paar dünnen Linien zu anderen Planeten. Für jemanden, der in Mitteleuropa aufgewachsen ist, ist dieser Stern einfach nur unglaublich. Das Gefühl, im Südpazifik zu sein – nicht mit Worten machbar.

Eine Inselimitation: Fahrrad fahren, einen Kreis von 30 km Umfang fahren, den linken Arm ausstrecken, in der Hand ein Pazifik – A3 Foto halten. Und immer wenn man nach links schaut denken: Oh – blaues Wasser, hört ja nie auf?!

Abend auf Rarotonga
Abend auf Rarotonga
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Klimperkasten – hierauf entsteht mein neues Album

Veröffentlicht in Australiyear

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